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Macht der Diamanten

60 Jahre ausgestorben, vom Sand verschüttet und doch noch voll lebendig. So gestaltet sich das vom Wind geprägten Diamanten-Dorf Kolmanskop zwischen den kargen Dünen südlich der Namib Wüste.    

Kolmanskop

Während viereinhalb Stunden schipperten wir über Kies- und Teerstrassen vom Fish River Canyon nach Lüderitz am Atlantik. Glücklicherweise wurde uns vom Camping an der Küste von Namibia abgeraten, da der Wind oft unangenehm stark ist und auch Nebel mit der dazugehörigen Feuchtigkeit keine Seltenheit darstellt. Deshalb waren wir in der kleinen, aber sehr persönlichen und liebevoll eingerichteten, Villelodge Accommodation untergebracht. Im Dorf besuchten wir die bekanntesten Sehenswürdigkeiten und genossen am Abend im einfachen Diaz Coffee Shop ein perfektes Rindssteak sowie eine frische Fischplatte.

 

Die Hauptattraktivität, weshalb es uns in dieses abgelegene Dorf verschlagen hatte, war das ehemalige Diamanten-Dorf Kolmanskop. Es wurde 1910 aufgrund des Diamantenbooms 10 km ausserhalb von Lüderitz mitten in der Dünenlandschaft errichtet. Das Dorf umfasste dazumal knappe 350 deutsche Einwohner. Ein wenig ausserhalb waren Zimmer für 800 namibische Kontraktarbeiter eingerichtet, die auf dem Feld in 12 Stunden Schichten nach Diamanten suchten.

 

Bereits dazumal wurden die meisten Produkte im Dorf von Deutschland über den Seeweg in die südlich gelegene Kolonie gebracht. Sodass vom Miele Wäschetrockner bis zum Dampfkessel im Kohlekraftwerk über 95% der Produkte Deutsch waren. Auch war die Infrastruktur stark ausgebaut, sodass Turnhalle, Kegelbahn, Casino, Bäckerei, Spital, Eisfabrik, Metzgerei mit deutschen Wurstprodukten etc. in der trockenen heissen Umgebung vorhanden waren. Zudem gab es ein Quartiermeister, der für die Unterhaltung zuständig war. Dank diesem waren auch Karneval mit Lederhosen etc. keine Seltenheit.

 

Es wurde auch eine knapp 150 km lange Eisenbahnstrecke innert 10 Monaten quer durch die sandige Wildnis errichtet. Dieselbe Strecke befindet sich seit 12 Jahren in Sanierung und aufgrund des ewigen Sandes ist noch immer kein Ende in Sicht. Erstaunlich also, wozu die Leute dazumal im Stande waren.

 

Vor 60 Jahren wurde das Dorf dann abrupt verlassen, da es südlich am Oranje River sechs Mal grössere Diamanten zu finden gab. Dank der stabilen, europäischen Bauart stehen die Häuser noch heute in erstaunlich gutem Zustand und können sogar mehrheitlich noch begangen werden.

 

Auch in der heutigen Zeit findet der Diamantenabbau noch im grossen Stile statt. Doch im Gegensatz zu den Besatzungszeiten, gehören heute die Abbaufirmen zur Hälfte dem Staat und die Fördermenge ist strikt limitiert. Auch hat sich der Abbau vom Land auf das Meer verschoben. Dabei wird der Meeresboden abgesaugt und automatisch filtriert.

 

Nun befinden wir uns schon einige Kilometer nördlich, vor den berühmten Dünen rund um Sossusvlei und freuen uns auf einen speziellen Sonnenuntergang.    

Bilder: Namibia

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