· 

Reparaturen auf afrikanisch

Mit einem defekten Produkt geht man zum Händler und der repariert bzw. lässt reparieren. Schlussendlich kriegt man sein Objekt in einem Stück wieder zurück. Falls eine Versicherung vorhanden ist, kriegt man gegebenenfalls nicht mal eine Rechnung zu Gesicht. So kennt man das aus der Schweiz. Hier in Afrika lernt man mal andere Methoden kennen, wie etwas wiederinstandgesetzt wird.    

Anlässlich unseres kleinen Unglücks auf dem Tsaobis Campingplatz, durften wir Windhoek doch noch ausserplanmässig besuchen. Denn es war die am nächsten gelegene Stadt, welche die notwendige Reparaturmöglichkeiten bot. Also suchten wir uns ein kleineres Apartment, in dem wir uns für insgesamt fünf Tage niedergelassen haben.

 

Als Erstes statteten wir gleich einen Besuch beim offiziellen Dachzelt-Importeur ab. Die erhaltene Rückmeldung war jedoch leider massiv ernüchternd. Weder hatten diese Ersatzmaterial auf Lager, noch konnten sie die Löcher im Zelt beheben. Noch schöner war die Info, dass das Ersatzmaterial zwar bestellt werden könne, es aber mindestens 3-4 Wochen dauert, bis es eintreffen würde. Einziger Trost: sie könnten es zur Reparatur senden, was mindestens eine Woche dauern würde. Nach ein paar Minuten haben wir dann die Adresse des Reparaturservice erhalten und uns gleich selber auf den Weg dorthin gemacht. Zwei junge deutschsprachige Typen führen dieses «Canvas & Outdoor» KMU. Mit ihnen haben wir uns super prächtig verstanden und als ebenfalls Reisebegeisterte war ihnen auch klar, dass wir möglichst bald wieder weiter möchten. Entsprechend wurde der Abholtermin für das Zelt lediglich auf zwei Tage später festgelegt.

 

Damit war unser Dachzelt aber noch nicht komplett funktionstüchtig. Beim Unfall wurde auch eine Zeltstange und deren Halterung komplett verbogen. Die Suche nach einer Ersatzstange führte uns zu diversen Campingausrüstern, die jedoch alle andere Marken vertreten und uns somit nicht weiterhelfen konnten. Zuletzt ist uns in den Sinn gekommen, dass eine Autovermietung dieselbe Marke von Dachzelten einsetzt wie wir. Knapp vor Ladenschluss wurden wir bei einer der Vertretungen freundlich empfangen und siehe da: die haben hunderte solch gebrauchter Stangen an Lager, von denen sie uns eine abgeben konnten.

 

Während das Dachzelt beim Schneider war, standen noch andere Herausforderungen an. So ging es am Folgetag direkt zum offiziellen Toyota Händler, bei dem zwei Offerten für die Versicherung eingeholt werden sollten. Eine für die Ausbesserungen der Beulen und Kratzer vom Baum sowie eine für den Ersatz unseres defekten Schlosses. Beides gestaltete sich ein wenige schwieriger als erwartet. Das riesen Autohaus führt keine Lackierarbeiten aus und der Kunde muss dem selber nachgehen. Also wurde uns eine Adresse ein wenig ausserhalb angegeben. Unser zweites Anliegen gestaltete sich noch verstrickter. Zuerst wurden wir vom «Service Advisor» in die 500 Meter ausserhalb gelegene «Parts Devision» gesandt, um dort eine Offerte für die Teile einzuholen. Wie bereits eine Anfrage in einer Toyota-Garage in Stellenbosch, waren auch diese Herren der Meinung, dass das komplette Schliesssystem ausgetauscht werden muss, da ein einzelnes Schloss nicht auf einen Schlüssel angepasst werden kann. Mit diesen Preisen zurück beim «Service Advisor» wurde uns eine Offerte auf den Folgetag versprochen. Als wir diese abholen wollten, haben sie bemerkt, dass wir ein europäisches Modell besitzen und sie dieses in ihrem System nicht erfassen konnten. Somit konnte auch nicht einmal eine Offerte erstellt werden. Stattdessen haben wir eine Adresse eines anderen Toyota Händlers erhalten, der dies anscheinend könne. Somit war die Ära Autohaus abgeschlossen und wir waren noch keinen Schritt weiter.

 

Zielstrebig ging es dann zum Autolackierer. Dieser verstand unser Anliegen sofort und stellte eine Offerte für die Versicherung zusammen.

 

Am nächsten Tag stand dann der Besuch beim anderen Toyota Händler ausserhalb der Stadt bezüglich der Schlossreparatur an. Nach einer Weile hin und her mit dem Lageristen, kamen wir der Lösung langsam näher, doch dann meinte er, dass sie nicht mit Versicherungen zusammenarbeiten, da diese viel zu lange brauchen bis sie bezahlen. Dieser Dämpfer war nicht ganz schön, denn ein komplett neues Schliesssystem inkl. Einbau kostet doch einiges. Dann kam jedoch plötzlich einer der Chefs angelaufen. Der ehemalige Deutsche, verstand mein Anliegen und innert kürzester Zeit stand der Plan. Wir nahmen ein neues Schloss, liessen es in der Stadt beim Schlüsseldienst «Lock & Key» anpassen und schon war der ganze Zauber erledigt. Diese Lösung war unkompliziert, schnell und preislich attraktiv, so dass die Abwicklung über die Versicherung auch nicht mehr notwendig war.

 

Spätestens nach all diesen Aufwänden wird jedem klar, dass in Afrika einiges ganz anders funktioniert als Zuhause. Einen One-Stop-Shop, wie das Autogaragen in der Schweiz sind, gibt es nicht, sondern man muss alles selber einzeln organisieren. Weiter ist die Abwicklung über die Versicherung bei den Unternehmern nicht sehr willkommen. Zudem sollte man Werkzeug und Ersatzmaterial dabeihaben, da viele kleinere Instandsetzungen besser selber erledigt werden. Zu guter Letzt darf aber auch erwähnt werden, dass sich bei guter Zusammenarbeit die Reparaturkosten in einer anderen Dimension befinden als in der Schweiz. Es hat also alles seine Vor- und Nachteile. Auch wird einem bei solchen Aktionen klar, dass man immer wieder Neues lernen kann.    

Bilder: Namibia

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    René dein Götti (Samstag, 21 April 2018 21:36)

    Das macht es aus, Glück, Zuversicht und Improvisation und aktiv sich beteiligen�. Gut überstanden und Erfahrung reicher.
    Auch wir sind am kämpfen, immerhin schon 240 km zu Fuss mit Sack und Pack. Dafür etwas Blasen, müde Schultern, Gelenke die ächzen. Aber Wetterglück fast zu warm 30° an der Rhône. Jetzt gehts in die Berge, Höhenmeter überwinden. Nette Pilger und Gastgeber, farbenfroher Frühling, 1/3 fehlt noch bis Le Puy dem diesjährigen Ziel. Gute Reise, bei uns done camino.