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Katz und Maus

Zwischendurch mal ein kleines Spiel darf es gerne sein. Doch wenn es über eine Woche dauert und eine Partei von beiden Parteien nicht freiwillig mitspielt, kann es anstrengend werden.    

Am Montagnachmittag haben wir auf dem Weg von Windhoek zum Erindi Game Reserve einen blinden Passagier in Bovi entdeckt. Als wir ein Dokument aus dem Handschuhfach nehmen wollten, bemerkten wir Bissspuren in einigen Papieren sowie Urin und Mäusekot. Da war klar, dass uns in den letzten Tagen anscheinend mal eine Maus besucht hat. Das war nicht sehr abwegig, da wir auf dem Ovita Camp einige Mäuse zu Gesicht bekommen haben. Kurz das Fach geschlossen und wieder geöffnet, war uns klar, dass dieser Besuch noch nicht beendet war, denn es guckte uns ganz unschuldig eine grosse Maus an. Kurz zweimal gedreht und zack war sie unter der Verschalung verschwunden.

 

Nun begann das Katz und Maus Spiel. Es bestand aus insgesamt 13 Levels, die sich folgendermassen zusammengestellt hatten:

  1. Türe offen lassen und hoffen, dass sie die Freiheit mehr geniesst als das Autofahren.
  2. Im Handschuhfach anfüttern und von Hand fangen. Nach mehreren Versuchen hatte sie Fabi einmal mit den feuerfesten Handschuhen in den Händen, doch das flinke Tier konnte entwischen.
  3. Google meinte, dass Mäuse Kamille meiden. Also begannen wir im Auto einen Kamillentee zu kochen um die Maus zu vertreiben.
  4. Als nächste Ausräucherungsmethode stand das Mückengift Anti-Brumm auf dem Plan. Doch auch das half keinen Schritt weiter. Im Gegensatz, sie begann sich nun mehr zurückzuziehen und wurde stets heimlicher.
  5. Also dachten wir, sie soll mit Alkohol ein wenig lockerer werden. Doch das Tier fuhr kein wenig auf unseren Appenzeller ab. Sie liess die im Alkohol getränkten Brotkrümel unangetastet liegen.
  6. Es war nun klar, entweder ist sie ausgezogen oder sie versteckt sich stets stärker. Also mussten gröbere Mittel eingesetzt werden. Dazu wurde die ganze Verschalung der Mittelkonsole und der Frontpartie ausgebaut. Auch die Lüftung haben wir eine halbe Stunde Vollgas auf der kältesten Stufe laufen gelassen. Siehe da, ausser dem Nest haben wir den ganzen Tag nichts Abnormales gesehen. Auch das Futter wurde nicht mehr angetastet. Die Vermutung lag nahe, dass sie ausgezogen war. Wir schraubten alles zusammen und bevor wir auf den Game-Drive zogen, platzierten wir noch etwas Futter im Auto, um zu prüfen, ob es doch noch gegessen wird. Kaum zu glauben, war es nach dem Drive nicht mehr im Handschuhfach. Das Spiel ging also doch noch weiter.
  7. Nächstes Level von der Fütterung bricht an. Im Handschuhfach wurde wieder Futter verstreut mit dem Ziel, dass es die Maus frisst und sie dann mit der Machete erschlagen werden kann. Wie geplant kam sie zur Futterstelle und die Machete war bereit, doch dieses Mal flüchtete sie über die Mittelkonsole und den Fussraum der Fahrerseite wieder unter die Verschalung und die Machete war zu langsam.
  8. Endlich wieder in der Zivilisation, konnten nun bekannte Mittel gegen Mäuse eingesetzt werden. Im ersten Dorf besorgten wir gleich Gift und drei Fallen. Diese wurden in der Futterstelle (Handschuhfach) und anderen prädestinierten Stellen aufgerichtet. Jedoch war die Maus so geschickt, dass sie das Futter kriegte ohne die Fallen auszulösen.
  9. Über all die Tage ist uns aufgefallen, dass die Maus während dem Autofahren oder morgens bei der Dämmerung im Handschuhfach aktiv ist. Also wussten wir, wann wir angreifen können. Da wir sie mit der Machete aus dem Handschuhfach zwingen können, war der nächste Plan, sie aus dem Fach zu bringen und mit Handschuhen aus dem Auto zu schleudern. Doch auch dafür war das Biest zu flink und sauste zwischen den Händen durch.
  10. Nun modifizierten wir die Fallen so, dass sie bereits bei geringerer Berührung zuschnappen. Und siehe da, eine der kleinen Fallen wurde über Nacht ausgelöst, aber die Falle hatte zu wenig Kraft und so konnte die Maus wieder in ihr Nest zurück. Da wir nun nicht wussten, ob sie verletzt wurde, stimmt es uns misstrauisch, ob sie weiterhin an ihre Futterstelle kommt oder ob sie allenfalls sogar aggressiv wird.
  11. Jetzt wird Bovi hardcoremässig zerlegt. Dieses Mal bauten wir die komplette Verschalung, die Sitze, den Bodenteppich und sogar die Lüftung aus. Zudem nahmen wir Luftdruck und Draht zur Hand um die Hohlräume möglichst genau zu durchforsten. Doch auch dieses Mal liess die Maus kein Haar von sich blicken.
  12. Langsam gingen uns die Ideen aus, darum suchten wir im nächsten Dorf eine Tierärztin auf um an starkes Gift zu gelangen. Die Dame meinte aber, sie retten und nehmen keine Leben. Demzufolge hat sie uns an die Agra verwiesen, die auch Pestizide für Farmer zur Verfügung stellt. Und so war es dann auch, wir konnten das Gift «Superkill» erwerben. Uns war aber klar, dass sie dann irgendwo im Auto sterben wird, was wir eigentlich nicht so toll gefunden hätten und vorerst noch vermeiden wollten.
  13. So haben wir den Plan geschmiedet, dass wir für die nächsten zwei Tage die grosse Rattenfalle ins Handschuhfach legen und hofften auf ein erneutes Zuschnappen bevor Superkill zum Einsatz kommt. Gemäss unseren Erfahrungen ist sie während der Autofahrt aktiv. Somit hätten wir die Chance bei einem allfälligen Fang sie direkt aus dem Fahrzeug zu werfen, damit sie nicht erneut entwischen kann.
    Nach rund 60 km Fahrt hörten wir die Mäusefalle bereits zuschnappen. Fabi als Beifahrerin hatte nun das Vergnügen zu kontrollieren, ob sich die Falle durch die Fahrzeugvibrationen oder die Tritte der Maus auslöste. Entsprechend stieg der Adrenalinspiegel rasant und Claudio hörte von Fabi nur noch «Nein, ich will nicht!». Sofort wurde angehalten, die Türe geöffnet und den Handschuh angezogen bzw. die Machete zur Hand genommen. Fabi öffnete dann langsam das Handschuhfach und war im ersten Augenblick leicht geschockt, denn da lag die Maus in der Falle. Siehe da auch die Maus kriegte einen Schock und begann wild zu zappeln. Schnell wurde die Maus zusammen mit der Falle gepackt und auf die Strasse geworfen. Dabei konnte die Maus aus der Falle entweichen und rannte gleich wieder zurück Richtung Fahrzeug. Doch da begrüsste Claudio sie mit der Machete und beendete damit das Katz und Maus Spiel.

Schlussendlich begleitete uns die Maus rund 9-10 Tage und hat einiges an Nerven gekostet. Zudem musste ein neuer Filter für die Klimaanlage her und einiges an Dämmungsmaterial wurde verbissen. Zum Glück sind keine Schäden an Kabel und Elektronik erkenntlich und die Reise kann nun ruhig fortgesetzt werden.    


Bilder: Namibia

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Kommentare: 1
  • #1

    Stefanie und Stefan (Montag, 02 Juli 2018 13:52)

    Aiaiai, do het eu da Müsli aber recht uf Zack ghalte. ;) ;)